ERFAHRUNGSBERICHTE

Absolventinnen des 9. FT-Neuro

      Weiterbildung zum
„Fachtherapeut Neurologie“

 

Kerstin von Heyden (KVH), Leiterin der Weiterbildung, im Gespräch mit zwei Absolventinnen der Weiterbildung, die Aufwand und Nutzen gegenüberstellen.

KVH: In welchem Tätigkeitsbereich sind Sie zurzeit beschäftigt?

Fr. T.: Ich arbeite seit 7 Jahren in einer logopädischen Praxis in der ich alle Störungsbilder behandle. In letzter Zeit habe ich meinen Schwerpunkt aber immer mehr auf die neurologischen Störungen gelegt, mache viele Hausbesuche und bin auch als Urlaubsvertretung in der Klinik tätig.

Fr. B.: Ich arbeite zurzeit noch in einer logopädischen Praxis mit dem Schwerpunkt Kindersprache. Wir sind aber auch konsiliarisch in einem Krankenhaus, wo wir hauptsächlich die Neurologie und Intensivstation betreuen. Auch in einem Behindertenwohnheim habe ich den Kontakt zu neurologischen Patienten. Bevor ich mit dem Fachtherapeut Neurologie begonnen habe, hatte ich etwa zwei Jahre Berufserfahrung. Jetzt steht für mich ein beruflicher Wechsel in eine neurologische Rehaklinik an.

KVH: Hat dieser Wechsel etwas mir der Weiterbildung zu tun? Fühlen Sie sich nun besser in der Lage dieser Tätigkeit nachzugehen?

Fr. B.: Die Arbeit im Krankenhaus hat mir immer schon viel Spaß gemacht und nach und nach hat sich mein Interesse auf die neurologischen Erkrankungen fokussiert. Also habe ich mich entschieden den Fachtherapeuten Neurologie zu absolvieren. Wer weiß  -vielleicht war das für den Arbeitgeber ja ausschlaggebend oder zumindest begünstigend,  mir die Stelle zu geben?!

KVH: Wie kam es dazu, dass Sie sich entschieden haben, sich im neurologischen Bereich intensiv weiterzubilden?

Fr. T.: Ich hatte das Gefühl unsicher im Umgang mit neurologischen Störungen zu sein bzw. immer das Gleiche mit meinen Patienten zu machen. Durch das Gefühl auf der Stelle zu treten hatte ich  das große Bedürfnis nach neuem Input.

Fr. B.: Als für mich klar war, dass ich meinen beruflichen Schwerpunkt in die Neurologie legen möchte, wollte ich mich hierin nochmal spezifisch fortbilden. Und ich wollte mich mit den Inhalten auf einer anderen Ebene beschäftigen als es in der Ausbildung oder während einzelner Seminare möglich war. Für mich spielte auch eine wichtige Rolle, dass ich mich von anderen Bewerbern auf der Suche nach einer Stelle in einer Klinik abheben wollte. Ich habe den Fachtherapeut Neurologie also als eine Zusatzqualifikation für mich selbst, aber auch als eine Möglichkeit, meine Jobchancen zu erweitern, betrachtet.

KVH: Die Weiterbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren und findet einmal monatlich freitags und samstags statt. Wie konnten Sie das mit Ihrem beruflichen Alltag und mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren?

Fr. B.: Meine Arbeitgeberin ist mir entgegengekommen, indem wir vertraglich mehr Urlaubstage vereinbart haben. Da ich einmal im Monat Wochenenddienst im Krankenhaus gemacht habe, war die Weiterbildung schon eine zusätzliche Belastung. Zwei Wochenenden im Monat, an denen man nicht zur Ruhe kommt sind anstrengend, aber machbar.

Fr. T.: Ich habe es so geregelt, dass ich während der gesamten Weiterbildung freitags nur vormittags gearbeitet habe. Das war für die Praxis und mich eine gute Lösung. Dennoch war es eine Herausforderung, im Anschluss an die Arbeit einem Seminar aufmerksam zu folgen.

KVH: Die Weiterbildung kostet insgesamt 2980 Euro. Wie haben Sie das finanziert?

Fr. T.: Ich habe einen Großteil über den Bildungsscheck finanziert und den Rest privat gezahlt.

Fr. B.: Auch ich habe die Weiterbildung über den Bildungsscheck finanziert, den es jetzt aber ja leider nicht mehr gibt. Stattdessen ist aber noch eine Finanzierung über die Bildungsprämie möglich.

KVH: Mit welchen Erwartungen sind Sie an die Weiterbildung herangetreten? Was haben Sie sich gewünscht?

Fr. T.: Ich wollte neuen Input haben, neue Ideen insbesondere für die Therapie. Mein Studium war schon sechs Jahre her und ich wollte wissen, ob ich noch auf dem aktuellen Stand arbeite oder ob es neue Ansätze und Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie gibt. Während der Weiterbildung habe ich dann tatsächlich viele neue Ideen für die Therapie mit meinen aktuellen Patienten entwickelt und konnte diese dann immer gleich in der Praxis ausprobieren.

Fr. B.: Ich fand es erstaunlich, wie schnell man nach der Ausbildung relativ festgefahren immer wieder das Gleiche macht. Ich habe zwar immer versucht, mich selbst zu reflektieren und Methoden zu hinterfragen, aber das hat im Laufe der Weiterbildung nochmal ganz deutlich zugenommen. Mir hat auch der Austausch über Seminarinhalte und aktuelle Patienten mit den Kolleginnen im Kurs sehr gut getan. Das war neben dem Input, den wir erhalten haben, ein echter Mehrwert der Weiterbildung.

KVH: Schön wäre ja, wenn man in der Weiterbildung einen Koffer voller Methoden und Rezepte bekäme, der individuell bei meinen Patienten anwendbar ist.
Ich gehe davon aus, dass das jedoch nicht der Arbeitsrealität und auch nicht den Inhalten der Weiterbildung entspricht. Was ist Ihrer Ansicht nach denn nun der Gewinn, den Sie als Fachtherapeutin Neurologie haben?

Fr. B.: Wenn ich Methoden lernen möchte, muss ich mir gezielt bestimmte Methodenseminare heraussuchen, wie zum Beispiel PNF oder TAKTKIN. In der Weiterbildung geht es aber über ein reines Methodenlernen hinaus. Es geht um ein theoretisches Gerüst, ein praktisches Ausprobieren und um einen intensiven fachlichen Austausch. Ich war in meiner Arbeit oft so streng mit mir und hatte wenig Vertrauen darin, dass das, was ich mache, das Bestmögliche für meinen Patienten ist. Und dann war der Austausch mit den Dozenten und Kursteilnehmerinnen oft beruhigend und motivierend. Ich habe aber auch viel Neues dazu gelernt, das ich inzwischen anwende.

Fr. T.: Ich bin deutlich selbstsicherer im Umgang mit neurologischen Störungsbildern geworden. Ich habe Neues gelernt und Bekanntes vertieft. Ich persönlich habe insbesondere im Bereich der Dysphagie sehr viel dazugelernt. Ich habe jetzt meinen ersten Patienten mit Trachealkanüle behandelt, was ich mich vor der Weiterbildung nie getraut hätte. Ganz oft habe ich aber auch festgestellt, dass das was ich bisher gemacht habe, gut war und dem aktuellen Stand der Forschung entspricht. Auch das war ein sehr gutes Gefühl und hat mich in meinem Tun sehr bestärkt.
Zwar haben wir keine Therapierezepte vermittelt bekommen, aber doch allerhand ganz konkrete Übungen. Und diese traue ich mich nun durch mein gesteigertes fachliches Selbstbewusstsein anzuwenden und auszuprobieren. Ich habe auch nochmal mehr über meine therapeutische Rolle gelernt. Zum einen, dass ich mehr Einfluss auf die Störung meines
Patienten habe als ich manchmal vielleicht denke und zum anderen aber auch,  dass man sich mit den Grenzen der Möglichkeiten abfinden muss.

KVH: Für wen ist die Weiterbildung aus Ihrer Erfahrung heraus geeignet?

Fr. B.: Ich habe mich vorher lange gefragt, ob meine Berufserfahrung von zwei Jahren zu kurz ist, um von der Weiterbildung zu profitieren. Unser Kurs war eine sehr heterogene Gruppe was die Berufserfahrung und die Tätigkeitsschwerpunkte betrifft. Aber genau dadurch haben wir voneinander gelernt, das war toll. Wenn man sich fragt, ob es zu früh für eine solche Weiterbildung ist, dann würde ich jetzt sagen: Eigentlich ist es immer dann der richtige Zeitpunkt, wenn ich es möchte, Zeit habe und bereit bin etwas Aufwand zu betreiben. Das Wichtigste ist, dass man die berufliche Weiterentwicklung wirklich will und dann ist es egal, ob man zwei oder zehn Jahre Berufserfahrung mitbringt.

KVH: Vielen Dank für das Interview und herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss im Fachtherapeut Neurologie!









"Durch das Gefühl auf der Stelle zu treten, hatte ich das große Bedürfnis nach neuem Input."

 

 

 

 

 

 

"Ich bin deutlich selbstsicherer im Umgang mit neurologischen Störungsbildern geworden."

 

 

 

 

 

 

"Ich habe den Fachtherapeut Neurologie also als eine Zusatzqualifikation für mich selbst, aber auch als Möglichkeit meine Jobchancen zu erweitern, betrachtet."

 

 

 

 

 

 

 

"Während der Weiterbildung habe ich dann tatsächlich viele neue Ideen für die Therapie mit meinen aktuellen Patienten entwickelt und konnte diese dann immer gleich in der Praxis ausprobieren."

 

 

 

 

 

 

 

"Mir hat auch der Austausch über Seminarinhalte und aktuelle Patienten mit den Kolleginnen im Kurs sehr gut getan."

 

 

 

 

 

 

 

"Ich habe jetzt meinen ersten Patienten mit Trachealkanüle behandelt, was ich mich vor der Weiterbildung nie getraut hätte."

 

 

 

 

 

 

 

"Unser Kurs war eine sehr heterogene Gruppe was die Berufserfahrung und die Tätigkeitsschwerpunkte betrifft. Aber genau dadurch haben wir voneinander gelernt, das war toll."